Petras Weinkolumne: Ein Vorzeige-Riesling mit Botrytis-Faktor

2023 Riesling Ried Wieland 1ÖTW Kremstal DAC – Mantlerhof: Kremstal Riesling – vor allem aus Gedersdorf oder Rohrendorf – ist oftmals underrated. Ein echter Fehler, wenn man an Weine wie den Ried Wieland von Agnes und Josef Mantler denkt.
Der 2023 Ried Wieland ist ein Bilderbuch-Riesling. Er hat einen betörenden Duft in dem sich aromatischer Pfirsich, reife Zitrusnoten, Ringlotten und rotbackige Äpfel mischen. Darüber liegt wie ein dünnes, zartes Seidentuch, ein delikater Hauch Blütenhonig. Am Gaumen ist der Wein aromatisch, seine tolle Säurepikanz wechselt sich spielerisch mit fruchtiger Saftigkeit ab. Er hat viel Komplexität, großartige Länge und Schmelz. Wieland ist kein superstraffer Riesling mit sehnig-kargem Charakter. Für die Mantlers darf es hier durchaus ein wenig Fleisch auf den Rippen sein, was auch den Ausdruck der Herkunft unterstützt und zudem die Philosophie des Weinguts widerspiegelt.

„Die Ried Wieland ist schon lange Teil in unserem Betrieb. Früher stand hier Roter Veltliner. Dann hat unser Großvater Riesling gepflanzt“, erzählt Josef Mantler. Die Reben – Geisenheimer Klone – wurzeln nicht im regional allgegenwärtigen reinen, kalkhaltigen Lössboden. Der liegt nur dünn auf der Oberfläche. Das Besondere in der Lage ist das Konglomerat der Hollenburg-Karlstettener-Formation. Es besteht aus Ablagerungen der ehemaligen Ur-Traisen. Im unteren Bereich des Weingartens treten die Steine sogar mächtig zutage. Dort wird die Subriede – nomen est omen – Steindl genannt. Der Name Wieland geht übrigens auf die lokale, heute in Winzerkreisen noch verwendete Bezeichnung Wiege zurück – benannt nach der kesselartigen Geländeform der Riede.

„Beim Riesling sind wir eher oldschool“, meint Josef Mantler. Was unter anderem ein langer Ausbau und ein Plus an Flaschenreifung bedeutet, bevor der Wein in den Verkauf kommt. Zudem ist ein Anteil von Botrytis bei der Ernte für den Weincharakter essenziell. Das gehört im Weingut Mantler beim Lagen-Riesling einfach dazu. Die Menge kann dabei je nach Jahrgang zwischen 15 – 30 Prozent schwanken. Spürbar wird das im Glas durch herrlichen Schmelz und eine trinkige Saftigkeit. Mollig oder sogar in Richtung üppig tendieren die Rieslinge dabei aber niemals. Sie sind vielmehr von einer lustvollen Direktheit und offenherzigen Aromatik geprägt.

2023 Riesling Wieland wurde aus angequetschten Ganztrauben gepresst und der Most anschließend kurz vorgeklärt. Josef Mantler: „Wir verarbeiten ihn durchaus ein wenig dreckig, um so viel Charakter wie möglich in den Wein mitzunehmen.“ Der komplette Ausbau findet im Stahl statt. Ein Jahr reift der Wein auf der Feinhefe, danach weitere zwölf Monate in der Flasche. Wichtig im Weingut ist neben dem Ausdruck der Herkunft ein stimmiger Alkoholgehalt. Am liebsten ist den Geschwistern Agnes und Josef ein Wert rund um die 12,5 bis 13 Volumenprozent. In der Tonart performt der Riesling dann auch als exzellenten Speisenbegleiter. Ich würde ihn zum Tafelspitz mit Apfelkren oder zu cremiger Zitronenpasta einschenken. Josef Mantler plädiert für Meeresfisch, der durchaus Wumms haben darf.
