Margarethenhof: Dieser Riesling ist auf Herkunft getrimmt

Pechstein: Die wahrscheinlich wichtigste Basaltlage der Pfalz. Margarethenhof

2022 Forster Pechstein Riesling GROSSE LAGE – Margarethenhof: Über den Mut, ein Weingut in eine neue Zeit zu führen.

Wie ein Weingut in vierter Generation sich von der Pfälzer Massen-Ideologie emanzipiert und den Weg für die eigene Philosophie ebnet. Ein Satz, der fast nach Bahnhofskitsch-Werbung klingt, in der heutigen Winzer-Struktur aber unangefochtener Bestandteil der Kultur ist. Denn immer mehr Betriebe werden an die junge Generation übergeben – wie diese das Thema angreift, entscheidet über Bestehen oder Zerfall eines solchen Erbes.

Yvonne Libelli und Martin Lucas: Mit über 70 Prozent Riesling auf dem Hof und Parzellen in Forster Top-Lagen wollen sie Herkunft erkennbar machen. Melanie Hubach

Forst an der Weinstraße, zuhause in der Pfalz: Yvonne und ihr Bruder Martin sind seit 2011, nach Abschluss ihrer Studien, zurück im elterlichen Weingut. Mit einem Studium der Önologie für Yvonne und einer Ausbildung zum Weinbautechniker für Martin konnten sich die beiden Geschwister perfekt aufstellen und gegenseitig inspirieren. Als sie in das elterliche Weingut einstiegen, wurde ihnen beiden schnell klar: Es geht nicht nur um die Übernahme eines Weinguts in vierter Generation. Es geht um die Weiterentwicklung des Stils in eine moderne Zeit. Auch wenn die Eltern den beiden freie Hand ließen, schauten sie dennoch mit Argwohn zu, als die zwei Geschwister anfingen, Trauben auszudünnen, die Halbbogenerziehung auf Flachbogen umzustellen oder komplett auf Bio-Zertifizierung umzusteigen. Früher, in der Zeit der Eltern, war man glücklich über jede Traube, jeden Liter, jede Flasche. Heute ist das anders. Das Thema Masse läuft nicht mehr – die Menschen wollen Qualität und Herkunft, einfach einen handwerklich gut gemachten Wein.

Basalt im Forster Pechstein. Melanie Hubach

Das soll keinesfalls heißen, die Weine und die Arbeit von damals hätten keine Daseinsberechtigung gehabt. Nur ändern sich die Zeiten. Und anhand des Margarethenhofs lässt sich gut erkennen, wie sich nicht nur der Konsum, sondern auch die Winzer selbst stetig wandeln müssen. Mit über 70 Prozent Riesling auf dem Hof und Parzellen in Forster Top-Lagen wie Ungeheuer, Jesuitengarten und Pechstein wollten Yvonne und Martin natürlich auch genau diese Herkunft erkennbar machen – Unterschiede quasi über das Lesegut selbst hervorheben. Zur besseren Erkennbarkeit ihres Vorhabens sparten sie jede Großlage aus und stiegen aus dem QbA-, Kabinett-, Spätlese-Profil in die klare Lagenerkennbarkeit mit Orts-, Guts- und Lagenweinen ein. Seither werden die Großen Gewächse ausschließlich im Edelstahl ausgebaut. Mit klassischer Ganztraubenpressung und einem Jahr auf der Vollhefe bleiben die Lagen ganz bei sich und können sich kristallin und klar zeigen. In einem kleinen Weingut, in dem es nie viele Fässer gab und die Menge an Großen Gewächsen ohnehin überschaubar ist, sorgt Edelstahl für Yvonne für etwas mehr Kontinuität in den Weinen. Nach dem Edelstahl werden die Weine abgefüllt und bleiben ein weiteres Jahr im Keller, beruhigen sich und finden ihre Mitte.

Anhand dem Margarethenhof sehen wir vor allem eines: Der Mut zum Wandel gegen die Masse ist keine Floskel. Margarethenhof

Das Ergebnis spricht für sich. Auf dem Margarethenhof – benannt nach der Mutter des Opas von Yvonne und Martin – hat sich seit 2011 viel getan. Aus klassischen Pfälzer Weinen mit Reinzuchthefe und viel Frucht sind Rieslinge mit klarer Idee geworden. Die drei Großen Gewächse der beiden Geschwister zeigen sich vor allem in einem volleren Stil. Die Hefe im Edelstahl ist spürbar, sorgt am Gaumen für gute Saftigkeit und zarten Schmelz. Dahinter Frische, Salzigkeit und eine unheimlich gut eingebaute Frucht. Immer sehr hell, sehr gelb, nie zu kitschig – einfach präsent und für gute Trinkstimmung sorgend. Yvonnes Lieblingslage ist der Pechstein. Von allen Lagen räumt sie ihm das meiste Potenzial ein. Was bei anderen Großen Gewächsen vielleicht bekömmlicher wirkt, ist hier pure Riesling-Dröhnung. Die wahrscheinlich wichtigste Basaltlage der Pfalz steht für 17 Hektar Südostausrichtung zwischen Wachenheim und Forst. Immer erkennbar an ungemeiner Dichte, elektrisierender Spannung und einer wahnsinnigen Zitrik. Weine, die sicher schon nach 3–4 Jahren schön zu trinken sind, ihr volles Potenzial allerdings erst mit Reife und Zeit beweisen.

Noris F. Conrad: “Die Hefe im Edelstahl ist spürbar, sorgt am Gaumen für gute Saftigkeit und zarten Schmelz.” Andreas Conrad

Anhand von Familienbetrieben wie dem Margarethenhof sehen wir vor allem eines: Der Mut zum Wandel gegen die Masse ist keine Floskel, die wir Schreiberlinge in die Welt werfen. Er ist Kernstück der Entwicklung unserer Landwirtschaft in Deutschland. Wer etwas Neues wagt, erntet erst mal Argwohn. Yvonne und Martin haben ihn geerntet. Allerdings haben sie auch verdammt guten Wein daraus gemacht.