Petras Weinkolumne: Was aus 0,6 Hektar Riesling möglich ist

2020 Riesling Ried Gänstreiberin Kremstal DAC – Vitikultur Moser: Der Riesling von der kleinen Monopollage Gänstreiberin oberhalb der Ried Gebling zeigt einmal mehr, dass die Weine der Mosers viel authentische Qualität und Potential für die lange Strecke haben.

Der Name ist ungewöhnlich, der Wein wohltuend abseits der Norm. „Die Gänstreiberin ist meine Lieblingslage“, erzählt Niki Moser. Die Riede liegt unweit seines Weinguts, die Verbindung zwischen ihm und den Reben ist exklusiv. Der versteckte, romantische Platz verfügt über nur 0,6 Hektar Reben. Ausschließlich Riesling. Die Terrassen schauen nach Südwesten und Süden. Ein Teil der Rebstöcke steht auf kargem Konglomerat der Hollenburg-Karlstetten-Formation. Der Rest ist Lössboden. Einige Namen der Nachbarrieden, wie Rosshimmel oder Wolfsgaben, weisen wie die Gänstreiberin auf ihre tierische Geschichte hin. In Mosers Monopol-Terroir wurden offenbar Gänse gehütet.

Niki Moser: “Der Riesling ist wie alle unsere Weine mit so wenig Intervention wie möglich gekeltert.” Vitikultur Moser

„Wenn wir in dem Weingarten arbeiten, hört man nichts. Keinen Lärm, kein hektisches Treiben. Die Abgeschiedenheit tut gut“, sagt der DEMETER-Pionier. Die Enklave ist ein Paradies an Biodiversität. Früher wurden die Trauben nicht lagenrein ausgebaut. Ab 2018 haben sich die Mosers entschlossen, die Ernte der besonderen Herkunft einzeln zu füllen. Ein extravaganter, eigenständiger Riesling war geboren. „Er ist wie alle unsere Weine mit so wenig Intervention wie möglich gekeltert. Den Begriff Natural Wein verwende ich dafür aber überhaupt nicht. Die Natur allein macht keinen Wein. Es braucht immer die Winzerin oder den Winzer, der alles in richtige Bahnen lenkt“, meint Niki Moser.

Ried Gänstreiberin: Der versteckte, romantische Platz verfügt über nur 0,6 Hektar Reben. Vitikultur Moser

Ich habe den hochspannenden Riesling über mehrere Tage probiert. Beim ersten Kosten war mir schnell klar, da braucht es viel Luft und Zeit. Eine Karaffe und ein großes Glas leisten im Restaurant erste Hilfe. Die Gänstreiberin 2020 leuchtet in einem warmen Safranton, hat einen reifen, reichen Duft. Von Bratapfel über Quitte bis hin zu Kastanienhonig, Bienenwachs und Kräuterwürze zieht sich das breite Spektrum an Aromen. Am Gaumen ist eine deutliche Mineralität spürbar, die durch viel Spannung eingerahmt wird. Die saftige Pikanz der Säure wird von einer ordentlichen Portion reifer Apfelfrucht begleitet. Ein unkonventioneller Riesling mit gutem Potential und einem Herz aus Gold.

“Ein unkonventioneller Riesling mit gutem Potential und einem Herz aus Gold”, schreibt Petra Bader. Wildbild

„Beim Ausbau arbeiten wir ganz traditionell“, sagt Niki Moser. Für die Gänstreiberin bedeutet das: händische Ernte, Rebeln und spontane Gärung im Holz. Das 1.500-Liter-Fass wurde extra für diesen Wein angefertigt und besteht aus Ebersbrunner Eiche (Manhartsberg). Während der Reifung nimmt der Riesling den feinen reduktiven Charakter durch das Lager auf der Vollhefe mit. Dazu kommt ein Hauch Oxidation, durch den Luftaustausch via Fassporen. Moser-Rieslinge machen immer einen BSA. Das passt zum Wein mit Holzlagerung und unterstreicht den schmelzenden Charakter. Die Gänstreiberin wird vor der Füllung einige Male umgezogen und kommt ohne Filtration aber blank in die Flasche. Das ergibt viel Kremstal, viel Moser Personality und noch mehr Reifepotential.