Petras Weinkolumne: Pichler-Krutzler Signature Wein setzt neuen Riesling-Maßstab

2023 Riesling Ried Pfaffenberg Alte Reben Kremstal DAC – Pichler-Krutzler: Riesling vom Pfaffenberg hat immer eine eigenständige Ausstrahlung. In einer Serie ist die Riede klar herauszukosten. Pichler-Krutzlers Wein spielt aber nochmal in einer eigenen Liga.

Der Pfaffenberg liegt quasi vor der Haustüre von Elisabeth Pichler und Erich Krutzler. Nach drei Jahren Bauzeit sind sie aus dem Ort in den neu renovierten Rothenhof übersiedelt. Der liegt direkt an der Ostgrenze der Wachau und in Steinwurfweite zu der besonderen Riede, die bereits zum nächsten Anbaugebiet gehört. Es ist Tradition, dass Wachauer Weingüter trotz Verortung der Lage im Kremstal hier Parzellen besitzen. Bekannt ist beispielsweise Knoll mit seiner Pfaffenberg Selection. „Ich war schon immer ein Fan von diesem Wein aus der Knoll-Serie“, erzählt Erich Krutzler. 2012 wurden ihm dann ein Hektar mit heute 65 Jahre alten Rebstöcken angeboten. Da musste er zuschlagen. „Pfaffenberg ist neben dem Kellerberg heute unser Signature Wein“, sagt er. Die beiden Rieslinge sind zwar grundverschieden, rangieren aber wegen ihrer Wertigkeit auf Augenhöhe im Portfolio.

Der Pfaffenberg liegt quasi vor der Haustüre von Elisabeth Pichler und Erich Krutzler. Nach drei Jahren Bauzeit sind sie aus dem Ort in den neu renovierten Rothenhof übersiedelt. Markus Roessle

Pichler-Krutzlers Anteil am Pfaffenberg, wo die alten Rebstöcke wurzeln, liegt auf einem steil abfallenden Felsstock. Ein besonderes Terroir. Die Naturstein-Terrassen schauen ins Loibner Becken. Im kristallinen Boden gibt es Gföhler Gneis und Glimmerschiefer. Durch die kühlen Winde aus dem Westen regieren große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Das macht natürlich was mit der Aromatik des Weins. Stichwort: Tiefe und Expressivität. Der Pfaffenberg gilt als eine der besten Riesling-Lagen in Österreich. Die Weine haben neben ihrem unverkennbaren Ausdruck auch immer viel sehr Reifepotential. Für mich vereinen die Rieslinge vom Pfaffenberg verlässlich eine stark ausgeprägte Steinobstnote, rotbackige Äpfel und eine tiefe, dunkle und fast karge Würzigkeit.

Es ist Tradition, dass Wachauer Weingüter trotz Verortung der Lage im Kremstal in der Ried Pfaffenberg Parzellen besitzen. Markus Roessle

All das finde ich auch in Pichler-Krutzlers 2023er Wein. Der sollte in jedem Fall karaffiert und dann ins große Glas geschenkt werden. So kann er seinen eigenständigen Charakter voll und ganz ausspielen. Im Duft gibt es neben Steinobst und Apfel eine feine, klare und saftige Zitrusnote. Über allem liegt ein anregender Touch von Feuerstein. Der Gaumen wirkt enorm engmaschig und salzig. Der Riesling hat durchaus Fülle und behauptet nie von sich, eine grazile Diva zu sein. Trotzdem schwingt die Aura eines puristischen und hocheleganten Typs mit. Er wirkt jetzt schon perfekt, bietet großen Genuss, ist aber klarerweise erst ganz am Anfang seiner Evolution. „2023 Pfaffenberg erinnert an die Stilistik von 2015 und 2019“, sagt Erich Krutzler. Und die zählen bekanntermaßen zu den ganz großen Jahrgängen.

Petra Bader: “Der Riesling hat durchaus Fülle und behauptet nie von sich, eine grazile Diva zu sein. Trotzdem schwingt die Aura eines puristischen und hocheleganten Typs mit.” Wildbild

Zur Entstehung: Nach der Handlese am 12. Oktober 2023 morgens wurden die ganzen Trauben im Anschluss an eine kurze Standzeit gepresst. Über Nacht gab es die natürliche Sedimentation im Tank, danach ging es weiter zur Spontangärung ins große Holz. Dort reifte der Riesling nach einmaligem Umziehen bis zur Füllung auf der Feinhefe. „Wir bleiben immer eineinhalb Jahre im Holz, also einen zweiten Winter. Das bringt den Weinen noch mehr Ruhe und Komplexität“, erklärt Erich Krutzler. Für ihn ist Pfaffenberg zudem immer mehr Lage als Rebsorte. Und auch wenn er ihn auf die gleiche Stufe mit dem Kellerberg stellt, scheint der Pfaffenberg doch sein ganz persönlicher Herzenswein zu sein.