Petras Weinkolumne: Archaischer Weninger-Wein demonstriert Zukunftstauglichkeit

2023 Blaufränkisch Kirch – Weninger: Die Weine der Weningers stehen für den pursten Ausdruck der Herkunft. Ohne Schminke und ohne im Keller in der Mukibude gewesen zu sein. Das bewahrt Charakter und Ursprünglichkeit.
Der 2023 Kirch muss sich nicht verstellen. Er duftet archaisch und ungezähmt nach dunklen Kräutern und Gewürzen wie Rosmarin, Nelken und schwarzem Pfeffer. Dazu kommt eine ordentliche Portion Frucht, die sich von ihrer ganz klaren und expressiven Seite zeigt. Kirsche, Cranberry und ein Hauch Brombeere. Das zusammen ist schon ziemlich viel Blaufränkisch. Am Gaumen geht es im gleichen Spirit weiter. Der Wein hat eine große Spannung und ein vibrierendes Tanningerüst. Diese Kombination schiebt so richtig an. Kirch fordert im positivsten Sinn auf allen Ebenen, hat aber gleichzeitig enormen Trinkfluss. Authentischer und besser kann sich die Rebsorte nicht präsentieren.

Die Trauben für den Wein stammen aus der Ried Kirchholz. Auf dem Etikett wird sie aber nicht angegeben. Die Frage warum, ist hinlänglich diskutiert. Fans der Weninger Weine stört das aber ohnehin nicht (mehr). Die Abkürzung Kirch gibt sowieso einen Hinweis auf das Terroir. Der Weingarten grenzt direkt an die Ried Hochäcker, ist lediglich durch einen Feldweg von ihr getrennt. Im Lehmboden der Lage Kirchholz gibt es viel sandigen Kies. Das macht ihn durchlässig. Darunter mischt sich Glimmerschiefer, der dem Wein eine eigene, unverkennbare Dimension verleiht. Die Blaufränkisch Stöcke in der Riede sind mit ihren 60 Jahren zudem so richtig alte Reben.

Gewirtschaftet wird biodynamisch. Die Erziehung folgt dem sanften Rebschnitt. Der Weingarten strotzt nur so vor Gesundheit. „Wir haben hier über die Zeit das Totholz belassen und damit Ameisen angelockt. Sie arbeiten wie ein Reinigungskommando. Die Rebkrankheit Esca existiert im Kirchholz nicht“, erzählt Franz Weninger. Ein Geschenk, wenn die Natur in ihrer ursprünglichen Harmonie sein darf. Die Riede war bis zum 2. Weltkrieg übrigens im Eigentum der Kirche. Daher ihr Name. Heute ist sie klein strukturiert. Viele Weingüter besitzen Parzellen daran. Franz Weninger erzählt mir noch, von der Qualität im Sinne der Zukunftstauglichkeit des Blaufränkers. Für ihn gehört er neben Nebbiolo, Syrah oder Pinot Noir zudem zu den genialsten Rebsorten, um das Terroir zu transportieren.

Im Keller greift Weninger nur ganz sanft in der Weinwerdungsprozess ein. Die Trauben bringen von draußen bereits Balance und Energie mit. Mehr braucht es nicht. Seit 2003 wird der Kirchholz separat vinifiziert und gefüllt. „2015 haben wir im Hinblick auf die Leichtigkeit des Weins, begonnen früher zu ernten. Kirchholz hat dadurch auch immer einen super Trinkfluss“, beschreibt Weninger. Weiterer essenzieller Faktor ist eine ausgewogene, feine Gerbstoffauslaugung. Die Ernte 2023 blieb eine Woche auf der Maische. Während der Zeit wurde sie nur sanft, beschwert durch Bretter und ähnlich wie ein Teebeutel, im gärenden Most gehalten. Den weiteren Ausbau samt BSA machte der Wein im großen Holz, blieb lange auf der Vollhefe und kam mit einer Minidosis Schwefel in die Flasche.
