Petras Weinkolumne: Zahel-Spross debütiert mit Hitzejahrgang

2024 Pinot Gris Kleines Fass – Zahel: Valentin Zahel ist 2024 in das Weingut seiner Eltern eingestiegen. Mit einem Pinot Gris ganz nach seinen Vorstellungen hat er gleich ein richtig spannendes Debüt hingelegt.

Der junge Winzer hat die fünfjährige Weinbauschule mit Matura in Klosterneuburg gemacht, den Zivildienst absolviert und ist dann gleich in das Weingut seiner Eltern im südlichen Wien eingestiegen. „Ich wurde von Anfang an sehr viel eingebunden und habe auch Verantwortung übernommen. Trotzdem kann ich mir die Zeit nehmen, meinen eigenen Stil zu entwickeln“, erzählt er. In Valentins erstem Jahrgang gab es bereits ordentliche Herausforderungen. Stichwort: Hitzejahr. Das Weingut der Zahels hat hier einen ganz kleinen Vorteil. Der Betrieb umfasst Weingärten in Mauer unweit des Kellers, in Oberlaa und am Nussberg zwischen Grinzing und der Donau. Es gibt also verschiedene Mikroklimata und daher unterschiedliche Reifezeitpunkte je nach Lage und Rebsorte. 2024 war trotzdem eine Challange.

Valentin Zahel ist 2024 in das Weingut seiner Eltern eingestiegen. Weingut Zahel

„Die Trauben haben überall super ausgeschaut und geschmeckt. Wir mussten aber schauen, dass wir alles schnell heimbringen, um die Säure zu erhalten“, so das Nachwuchstalent. Neben dem Gemischten Satz als Steckenpferd im Betrieb, ist die Familie auch auf altösterreichische Sorten wie Neuburger oder Rotgipfler genauso wie Burgunder spezialisiert. Valentin Zahels erster eigener Wein, ein Pinot Gris, stammt von der Ried Kroissberg. Sie zählt mit ihren knapp drei Hektar Fläche zu den kleineren Lagen und liegt angrenzend an den deutlich größeren Kadolzberg. Im Kroissberg ist der Boden leicht, hat Konglomerat und Feuerstein. Der verleiht den Weinen einen festen Kern und zudem Tiefgang. Das Klima hier ist etwas kühler, daher wird relativ spät geerntet.

Valentin Zahel: “Mit dem Namen Pinot Gris bin ich viel freier. Ich kann hier weggehen vom klassischen Wein und individueller sein.” Weingut Zahel

Valentin Zahels Pinot Gris Trauben wurden nach der Handlese leicht gequetscht, damit für die beginnende Gärung Saft austreten konnte. Das Ziel: Den Kupferton aus den Beerenschalen herauszukitzeln. Die Maische im offenen Bottich hat der Jungwinzer außerdem mit CO² überlagert. Nach 48 Stunden Standzeit schloss eine sanfte Pressung mit lediglich 0,6 Bar an. „Der meiste Saft ist in der Presse von selbst abgeronnen“, erzählt er. Mit Falldruck fand der Most seinen Weg in zwei gebrauchte Barriques aus französischer Eiche. Dort vollendete er die Gärung und blieb noch für eine kurze Weile auf der Vollhefe liegen. Nach dem Umziehen auf die Feinhefe reifte der Wein zehn Monate weiter. „Ich habe hin und wieder eine Batonnage gemacht, weil für mich die Cremigkeit sehr gut zur Rebsorte und zum Weintyp passt. Außerdem wirkt sie auch als Oxidationsschutz“, so Zahel.

“Das Hitzejahr ist in dem eigenständigen Wein zu keinem Moment spürbar. Trotz seiner sanften Säure wirkt er fließend, hat tollen Zug und viel Struktur”, schreibt Petra Bader. Wildbild

Der Erstlingswein des jungen Winzers leuchtet rotgolden aus dem Glas. Im Duft ist er zuerst rauchig-würzig, hat Noten von getrockneten Feigen, Koriander, Heu und weißem Nougat. Am Gaumen brilliert er mit feinem Gerbstoff und Salzigkeit, hat richtig guten Trinkfluss und eine balancierte Dichte. Das Hitzejahr ist in dem eigenständigen Wein zu keinem Moment spürbar. Trotz seiner sanften Säure wirkt er fließend, hat tollen Zug und viel Struktur. Aber warum Pinot Gris, frage ich Valentin Zahel noch. „Wenn man Grauburgunder oder Ruländer hört, hat man sofort ein klares Bild vom Wein im Kopf. Mit dem Namen Pinot Gris bin ich viel freier. Ich kann hier weggehen vom klassischen Wein und individueller sein. Wichtig ist trotzdem die Trinkfreude, wie bei allen unseren Weinen.“