Thomas Buchmayer

Weingut: Buchmayer Ort: Niederösterreich

Kaum einer kennt sich mit Bodengesundheit so gut aus wie Thomas Buchmayer, der im niederösterreichischen Pillersdorf mit seiner Frau Maria 18 Hektar Weingärten bewirtschaftet. Was er in seiner Arbeit im Weingarten vereint, ist Naturwissenschaft und Biodynamie. „Kein Widerspruch“, wie Buchmayer sagt. Die Biodynamie ist die Grundlage und dazu kommen die neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse für Bodengesundheit, Pflanzenernährung und Humusaufbau. „Wir wissen heute so viel, was sich im Weingarten abspielt, eigentlich haben wir davor alles falsch gemacht“, so Buchmayer.

Davor, das war zu einem Zeitpunkt, als er von seinen Eltern das Weingut als konventionellen Betrieb übernommen hat. „Ich habe damals rasch bemerkt, dass sich unsere Weine nicht mehr weiter entwickeln und auch die Qualität stagniert. Die Weine waren uniform. Auch im Weingarten habe ich gesehen, dass sich die Gesundheit des Bodens immer mehr verschlechterte.“ Buchmayer vertiefte sich in die biologische und biodynamische Bewirtschaftung. 2015 war das erste biologische Jahr, 2016 wurde dann die Umstellung auf biodynamisch gestartet. Sein Wissen holte er sich bei zahlreichen Kursen, Seminaren und im dichten Austausch mit Kollegen. „Ich war sehr überrascht, wie rasch sich die Natur regeneriert, wenn man die richtigen Schritte setzt.“

Erkenntnis

Die zweite Erkenntnis: Auch die Qualität der Weine hat sich rasch verändert. „Plötzlich hatten wir Weine mit einer wunderschönen Mineralik, Tiefe und Leichtigkeit. Eine Tiefgründigkeit im Wein, die nur möglich ist, wenn die Böden lebendig sind.“ Verwendet werden biodynamische Präparate, dazu kommen der Einsatz von fermentierten Wickroggen (Bokashi) für die Ernährung des Bodenlebens, Biodiversität im Weingarten durch vielfältige Begrünungen, Herstellung eines eigenen fermentierten Pflanzenextraktes zur Vitalisierung der Reben sowie Verwendung von Komposttee, um die mikrobielle Vielfalt zu fördern. Buchmayer: „Terroir im Wein ist nur möglich, wenn ich einen gesunden und lebendigen Boden habe, der mit seinen Lebensfunktionen die Rebe ernährt und so einen individuellen, an Inhaltsstoffen reichen Wein hervor bringen kann.“ Oder kurz gesagt: „Wenn du im Weingarten alles richtig machst, dann kannst du dich im Keller – fast – zurücklehnen.“

 

  • Größe: 18 Hektar 
  • Wichtigste Rebsorten: Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc, Muskateller, Traminer, Riesling, Zweigelt, Pinot Noir, Cabernet und Merlot
  • Zertifizierung: Bio zertifiziert seit 2018, biodynamische Arbeit im Garten seit 2016
  • Wichtigste Lagen: Kalvarienberg, Hochsteinerberg, Träußeln
  • Wichtigste Böden: Kalvarienberg: Granithügel, nicht ganz so karger Boden durchmischt mit Granitsteinchen, gewisse Tiefgründigkeit mit Wasserspeicherfähigkeit; Hochsteinerberg: Untergrund auch Granit sowie ein wenig Löss; Träußeln: Granit- und Lössboden Mischung
  • Arbeit im Weingarten: Biodiversität, Boden muss lebendig sein, Begrünungen, fermentierter Dünger, alle Naturalwein werden mit Hand gelesen, die fruchtige Linie (Bio-Linie) mit Vollernter
  • Arbeit im Keller: Spontanvergärung, vieles 100-prozentige Maischgärung, abgepresst und ohne Schale in 300 Liter Fässer; beim Veltliner gibt es unterschiedliche Strategien, Ziel ist es, dass die Frucht immer im Vordergrund bleibt; Natural-Line komplett unfiltriert, 30 bis 50 ml/l Gesamtschwefel, Traminer ungeschwefelt.
  • Fässer: gebrauchte Barrique-Fässer von Frankreich von 225 bis 500 Liter, Stahltanks bis 5000 Liter
  • Exportanteil: im Aufbau, vor allem die Naturweine sind gefragt
  • Händler: Bruder, Vinifero, Direktkauf

Weinbesprechung  Thomas Buchmayer
  • Rough und edgy! Muskatanklänge, lang anhaltender Gerbstoff. Zitrusabrieb und eine faszinierende salzige Mineralität. Tiefe und Cremigkeit.

    Gelber Traminer Natural
    2019

  • Perfekt, um einen Abend ausklingen zu lassen. Nicht zu kräftig, deutlicher Holzeinsatz, samtiges Tannin. Tolle Würze. Schon in der Nase ein Erlebnis.

    Pinot Noir Natural
    2019

  • Starker Auftritt: straff und ein bisschen Hüftspeck, das tut ihm gut. Sehr mineralisch. Auffallend schmelzig, cremige Textur. Pure Eleganz!

    Grüner Veltliner Natural Ried Kalvarienberg
    2019

  • Adstringierende Säure und super Gerbstoff! Da will man immer mehr! Die Nase fruchtig duftend, am Gaumen würzig. Tolle Textur, langer Nachhall!

    Grüner Veltliner Natural
    2020

  • Ein perfekter Ausdruck des Kalvarienbergs. Der Granitboden beeinflusst das Aroma der drei Sorten: Cabernet Franc, Merlot und Zweigelt. Elegant und dicht.

    Cuvée Natural 2018 Ried Kalvarienberg
    2018

  • Super Spiel zwischen Frucht und Säure! Ein leichter Rosé, Sauerkirsch, Erdbeere, leichte Würze und schöner Gerbstoff. Schöne Mineralik.

    Rosé Natural
    2020

Beiträge  Thomas Buchmayer