Das Jahr 1492 mögen die meisten mit Christoph Kolumbus’ „Entdeckung Amerikas“ verbinden, für uns aber markiert es den Beginn einer anderen Geschichte: Seit diesem Jahr betreibt die Familie Schneider nachweislich Weinbau am Tüllinger Berg. Damit sind Christoph und sein Bruder Johannes die sechste (!) Generation, die diese über Jahrhunderte gewachsene Tradition an ein und demselben Standort fortführt.
Mittlerweile verteilt sich das Weingut auf knapp 15 Hektar, vier spektakulären Lagen und 70 Parzellen. Mit ikonischen Lagen wie dem Weiler Schlipf nahe der Schweizer Grenze ist das Weingut übrigens das südwestlichste Deutschlands. Wie bei den anderen kalksteinhaltigen Lagen ist die Philosophie der Brüder klar: Bodenpflege geht vor Eingriff. Unkraut wird mechanisch, also ohne chemische Herbizide, unterdrückt, Kompost und minimale Düngemittel stärken die Struktur der Erde, und seit 2023 ist das Gut offiziell biozertifiziert. Biodynamische Prinzipien begleiten die Arbeit im Weinberg, und bei Neupflanzungen wird auf hochwertiges Selektionsmaterial gesetzt. Einen prominenten Platz nimmt dabei die außerhalb Badens eher unbekannte Rebsorte namens Gutedel ein. „Wir wollen zeigen, dass diese Rebsorte mehr sein kann als seichte Trinkweine“, sagt Christoph. Im Keller wird Tradition mit Präzision verbunden. Pinot Noir fermentiert drei Wochen in offenen Edelstahltanks, danach reift er bis zu zwei Jahre in großen Eichenfässern und Barriques. Die bewährten badischen Burgunderrebsorten wie Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay werden direkt gepresst, spontan vergoren und auf der Feinhefe ausgebaut. Und dann wäre da noch das Projekt namens „Haus GUPI“: „Damit wollten wir uns bewusst einen experimentellen Freiraum schaffen“, sagt Christoph. GUPI ist ein Kofferwort aus Gutedel und Pinot Noir, also den beiden Rebsorten, aus denen Christoph und Johannes im Rahmen des GUPI-Projekts Weine keltern, die einen etwas unkonventionelleren „Vin de soif“-Charakter haben. Sprich: geringer Alkohol, aromatische Präzision, süffiger Abgang – und wie bei ihren anderen Weinen minimal geschwefelt wurden. Und die zeigen: Es ist immer noch ganz schön jung und neugierig, dieses ach so alte Weingut.
- Größe: 15 Hektar
- Rebsorten: Pinot-Familie (Pinot Noir, Pinot Gris, Pinot Blanc, Chardonnay) und Gutedel
- Zertifizierungen: EU Bio-Zertifizierung
- Wichtigste Lagen: Schlipf, Kapf, Sonnhohle und Kirchberg
- Arbeit im Weingarten: biologisch und biodynamisch, 100 % Handlese, Teilbeweidung mit Schafen, Reben im Landschafts- und Vogelschutzgebiet, alte Streuobstwiesen, sehr vielseitige Landschaft
- Arbeit im Keller: Spontangärung, langes Hefelager, Low-Intervention-Philosophie; Weine werden frühestens nach 18 Monaten, wenn möglich unfiltriert, gefüllt. In der Regel 12 Monate Ausbau im Holzfass (2000 l, Barrique, 500 l Fässer), danach 6–12 Monate auf der Feinhefe im Edelstahl
- Fässer: bis zu 50 Jahre alte 1000–2000 l Fässer, Barrique und 500 l aus dem Burgund
- Exportanteil: ca. 60 % in über 10 Länder
- Händler: Europa, Südkorea, Kanada, Australien, USA; in Österreich bisher noch kein Händler, in Deutschland wenig vertreten