Das Weingut Bianka und Daniel Schmitt ist tief in Rheinhessen verwurzelt – und doch hat hier auch Biankas ungarische Herkunftsgeschichte Platz. Das ergibt einen vielfältigen Mikrokosmos, dessen Mittelpunkt die Biodynamie ist.
Darf man die Vorstellung eines 200 Jahre alten Weinguts in Rheinhessen mit Blaufränkisch beginnen? In diesem Fall darf man nicht – man muss sogar. Denn das Weingut Bianka und Daniel Schmitt ist eine Symbiose aus zwei Welten: der rheinhessischen einerseits, der pannonischen andererseits. Rheinhessisch geprägt ist in diesem Fall Daniel, Winzer aus Flörsheim-Dalsheim, während die pannonische Herkunft Bianka als Winzerin mitbringt. Nachdem beide sich entschlossen hatten, das ehrwürdige Weingut 2012 gemeinsam auf neue Beine zu stellen, stand fest: Auch die eigene Herkunftsgeschichte hat hier ihren Platz. „Und das bedeutete eben auch, dass diese großartigen Terroir-Rebsorten Blaufränkisch und Furmint aus Biankas Heimat einen gebührenden Platz neben den heimischen Sorten Riesling und Spätburgunder bekommen“, so die beiden quasi unisono. Die kulturellen Unterschiede zwischen dem ungarischen und deutschen Weinbau äußern sich in einem Zusammenspiel aus Klima, Geologie sowie historisch gewachsenen Strukturen und Traditionen. In Deutschland hat sich über lange Zeit eine stark qualitäts- und präzisionsorientierte Arbeitsweise entwickelt, die auf kleine Strukturen und differenzierte Lagen setzt. In Ungarn prägen hingegen andere historische Rahmenbedingungen und vielfältige kulturelle Einflüsse die Herangehensweise im Weinberg und Keller. Diese unterschiedlichen Prägungen spiegeln sich in Stil, Ausbau und Selbstverständnis der Winzer wider. In der Verbindung entsteht ein eigenständiger Stil, der die jeweiligen Stärken beider Herkünfte miteinander verbindet.
„Als 5.-Generation-Betrieb können wir so mit unserer Generation wieder etwas zur Geschichte des Weingutes beitragen, in dem sich die Einflüsse beider Kulturen in unseren traditionellen Betrieb einfügen und als Geschenk an die nächste Generation weitergegeben werden“, ist Bianka überzeugt.
Die Vielfalt, die ein stimmiges Ganzes ergibt – das ist es, was den Kern dieses so verwurzelten und gleichzeitig so offenen Weinguts ausmacht. Je mehr man sich in diesen faszinierenden Mikrokosmos vertieft, desto klarer wird: Es ist die Biodynamie, die diese Vielfalt zusammenhält. „Der Kern unserer Arbeit liegt im Verständnis und in der präzisen Ausarbeitung der unterschiedlichen Terroirs unserer Region“, sagt Bianka. Es ist ein Verständnis, das in dieser Intensität ohne das konsequent biodynamische Arbeiten gar nicht möglich wäre. Kein Wunder also, dass seither der Hype rund um Bianka und Daniels Weine noch größer geworden ist – und weiterhin wächst.
- Größe: 27 Hektar
- Wichtigste Rebsorten: Weiß: Riesling, Furmint, Chardonnay; Rot: Pinot Noir, Blaufränkisch, Merlot
- Lagen: Nieder-Flörsheim: Frauenberg, Goldberg (stark kalkhaltig, Muschelkalk); Monsheim: tonbetonte Böden, 70 % der Flächen in höher gelegenen, kalkreichen Parzellen
- Arbeit im Weingarten: Präzises Terroirverständnis und Stilvielfalt auf kompakter Fläche, Pflanzung neuer Anlagen seit 2014 mit 65–70 cm Stockabstand, Reben sollen langfristig ohne Bewässerung auskommen, handverlesene Lese mit selektiver Traubenauswahl
- Arbeit im Keller: Neubau mit optimierten Arbeitsbereichen, Isolation und Temperaturkontrolle, parzellenspezifische Vinifikation seit 2023, Trauben überwiegend direkt gepresst, Weine in drei Ebenen: „Freiheit“ – Gutsweine, hoher Trinkfluss, „Der Weg“ – Ortsweine, Ausdruck von Bodenformationen, Lagenweine – höchste Herkunftsausprägung, Lagerpotenzial
- Holzfässer, Gefäße und Amphoren: Gutsweine: neutrale 5.000–7.000 L Holzfässer, teilweise Edelstahl; Ortsweine: 600–3.000 L Holzfässer für Textur und Tiefgang; Lagenweine: Amphoren seit 2013, mikrooxidative Reifung ohne Maischekontakt; Ziel: präzise Betonung von Struktur, Terroir und Rebsortenvielfalt