Keine Brüder, aber viel Liebe: Severin und Sabeth schreiben die Geschichte des Weinguts Gebrüder Mathis neu. Mit Hecken, Lebenstürmen und präzisen Burgundern setzen sie ein Leuchtturmprojekt am Tuniberg.
Warum das Weingut „Gebrüder Mathis“ heißt, ist auf den ersten Blick irreführend: Erstens sind Severin und Sabeth keine Brüder, sondern ein Paar. Zweitens ist keiner der Gebrüder mehr hier am Werk. Und drittens ist hier seit dem Jahr 2020 alles neu. Und doch: Dass dieses Weingut im badischen Merdingen weiterhin den Gebrüder-Namen trägt, ist durchaus stimmig. Er steht für eine Geschichte, die in den 1970ern begann, als die Brüder Bernhard, Franz und Paul Mathis zu den Pionieren des Holzausbaus am Tuniberg wurden – und die jetzt, einige Jahrzehnte später, mit genauso viel Mut neu geschrieben wird. Severin und Sabeth lernten sich an der renommierten Hochschule in Geisenheim kennen. Als sie beschlossen, das Weingut von Severins Familie zu übernehmen, war die Situation paradox: „Severins Mutter hatte das Weingut zwar von ihrem Vater übernommen, aber immer gemeinsam mit einem Betriebsleiter geführt. Sie war also in dem Sinn keine Winzerin. Und auch ich komme aus einer Weingegend – aber auch da: keine Winzer. Das hieß, wir konnten uns mit den vielen Fragen, die wir hatten, an niemanden wenden und mussten vieles selbst ausprobieren. Klingt anstrengend, klar. Gleichzeitig lag genau darin auch eine große Freiheit. Wir waren unabhängig, brauchten keine Zustimmung und konnten unseren eigenen Weg gehen. Genau das war uns letztlich wichtig.“ Das Ziel dieses Weges war klar: Weinbau so ökologisch wie möglich zu denken und umzusetzen. „Wir haben Hecken gepflanzt, Weinberge so angelegt, dass die Natur mehr Platz zum Atmen hat, Lebenstürme und Insektenhotels gebaut – und das Sortiment neugestaltet. Wir haben begonnen, die Weine parzellenweise auszubauen, stärker auf die Herkunft der einzelnen Weinberge einzugehen“, erzählt Sabeth. Heute steht fest: Das neue Kapitel, das Severin und Sabeth aufgeschlagen haben, war der Anfang von etwas Großem. Das Weingut „Gebrüder Mathis“ zählt heute wieder zu den Leuchtturm-Projekten am Tuniberg – wie damals, zu Zeiten von Bernhard, Franz und Paul.
- Größe: 16,5 Hektar (15 Hektar in Bewirtschaftung)
- Wichtigste Rebsorten: Spätburgunder, Chardonnay, Grauburgunder, Weissburgunder, Auxerrois
- Zertifizierungen: EU-Bio
- Wichtigste Lagen: Rosenloch, Hohrain
- Arbeit im Weingarten: Um eine Monokultur wie den Weinbau so naturnah wie möglich zu gestalten, setzen wir auf den Erhalt der Bodengesundheit, vielfältige Einsaaten aber auch die Gestaltung Abseits– Hecken, Einsaaten, Vogelhäuser, Insektenhotels, Lebenstürme schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel.
- Arbeit im Keller: „Low tech“, 100% Spontanvergärung, keine Additive, alles wird trocken ausgebaut und größtenteils unfiltriert abgefüllt. 80% aller Weine werden im Holz ausgebaut.
- Fässer: u.a. Rousseau, Francois Freres, DAMY, Tarransaud
- Exportanteil: 30 % (Japan, Norwegen, Dänemark, Schweden, Niederlande, Schweiz, Italien)
- Händler: Oxhofft (Hamburg), Grape Agents (Backnang), Wein-Refugium (Heidelberg), Weinbär (Freiburg), Drexlers (Freiburg)