Die Ortenau ist Rieslingland. Johannes Kopp zeigt, dass es auch anders geht – und gilt heute als einer der prägendsten Burgunderwinzer der Region.
„Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss“, erinnert sich Johannes Kopp. Heute führt er sein Weingut in Sinzheim im nördlichen Schwarzwald mit klarem Fokus auf Burgunder und Herkunft. Der Betrieb seiner Familie war ursprünglich ein gemischter Landwirtschaftshof: Obst, Schnaps, ein Hektar Reben für die Genossenschaft. Bis sein Vater Ewald in den 1990ern begann, eigenen Wein zu erzeugen – nach einem Praktikum bei Bernhard Huber und schon damals mit einem Faible für Burgundersorten. Eine Entscheidung mit Weitblick. „Mein Vater hat immer viel Herzblut investiert und sich mit guten Qualitäten einen Namen gemacht. Von 2002 bis 2012 hat er das Weingut auf 17 Hektar erweitert.“
2012 dann der Einschnitt: Ewald Kopp stirbt unerwartet, Johannes ist 22. „Ich bin freitags nach Hause gefahren und montags nicht mehr zurück an die Uni.“ Ohne Übergangsphase übernimmt er – und richtet den Betrieb neu aus. Nach einem ersten konventionellen Jahr stellt er auf Bio um, später auf Biodynamie. Sie führt ihn zu dem, was seine Heimat besonders macht. Am Rand der Ortenau, zwischen Rheintal und Schwarzwald, treffen unterschiedliche Böden und hohe Tag-Nacht-Temperaturschwankungen aufeinander. „Sieben verschiedene Bodenarten auf engem Raum – das ist einzigartig für Ortenau und für Burgunder extrem spannend.“
Spätburgunder, Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder und Sauvignon Blanc bilden heute das Rückgrat. Der Riesling bleibt als bewusste Ergänzung, etwa im abgeschiedenen Feigenwäldchen, einer Monopollage im Schwarzwald. Die Strahlkraft aber kommt vom Burgunder: präzise, kühl, langlebig. Mit Biodynamie, eigenen Hochlandrindern und einem geschlossenen Hofkreislauf schärft Kopp den Ausdruck seiner Herkunft immer weiter. Er feilt am Stil, schärft Profil und Marke. Heute bewirtschaftet er über 30 Hektar. Nach Jahren des Aufbaus liegt der Fokus wieder klar im Weinberg und im Keller. Die Weine sind leise, aber bestimmt – und zeigen, wie viel Individualität und Herkunftscharakter in Burgunder aus der Ortenau steckt.
- Größe: 30 ha Rebfläche im Baden-Badener Rebland (Vorbergzone Schwarzwald)
- Wichtigste Rebsorten: Pinot Noir, Chardonnay, Pinot Blanc, Riesling
- Qualitätspyramide: Gutswein, Terroirwein (wie Ortswein, allerdings nach Boden benannt), Erste Lage, Große Lage
- Zertifizierungen: Demeter (biodynamisch), EU-Bio, FairChoice
- Wichtigste Lagen: Felsenstück – Chardonnay & Pinot Noir: Handarbeitslage mit bis zu 60 % Steigung, windoffen am Schwarzwaldrand gelegen; Arkosesandstein aus dem Oberkarbon (>300 Mio. Jahre), durchzogen von Steinkohleflözen; französische Klone und Selektion Massale; karg, mineralisch, präzise mit ausgeprägter Säurestruktur und Tiefe. Feigenwäldchen – Riesling (Monopollage): Historische Lage des ursprünglichen Gründungsbetriebs der Badischen Naturweinversteigerer, Südausrichtung, geschütztes Mikroklima, eingebettet in den Schwarzwald; Buntsandstein, bis zu 80 Jahre alte Reben, kleinterrassiert mit historischen Mauern; das von Weinbergen umrahmte Klostergebäude datiert auf 1426; hier entstehen salzige, langlebige Rieslinge mit klarer vertikaler Struktur. Sommerhalde – Pinot Noir: Südexposition in parabolförmiger Kessellage; vulkanisches Auswurfgestein, roter Porphyr, eisen- und siliciumhaltig; badische Klone, Wärme und Kargheit in spannungsvoller Balance. Röderswald – Pinot Blanc: Nordwestlage, kühl und steil; ca. 50-jährige Reben; fein konturierte, reduktiv geprägte Stilistik mit präziser Säureführung. Die Toplagen sind geprägt von verwitterten und wechselnden Grundgesteinen entlang des Schwarzwalds – skelettreiche, hoch wasserdurchlässige Böden mit markanter mineralischer Signatur. Die Gutsweine stammen stärker aus Richtung Rheintal, geprägt von kalkreichen Lössanwehungen. Auf engstem Raum differenzieren wir sieben Bodenarten – verstärkt durch die exponierte Lage unseres Hausbergs, der ins Rheintal hinausragt, unterscheiden wir uns deutlich von der übrigen Ortenau. Belegt wird das durch die hinter uns liegende tektonisch sehr aktive Zone Baden-Badens mit ihren Thermalquellen.
- Arbeit im Weingarten: Geprägt von Steillagen und handarbeitsintensiven Parzellen in badischer Kleinstruktur; seit 2014 konsequente Dichtpflanzung bei Neuanlagen (min. 7.500 Reben/ha) mit selektioniertem Klonenmaterial und Massale-Selektionen – inspiriert von burgundischen Vorbildern; Ziel ist natürliche Konkurrenz im Stock, reduzierte Einzelstockleistung und maximale physiologische Präzision. Konsequent biodynamische Bewirtschaftung; aktives Begrünungsmanagement zur Förderung von Bodenleben und mikrobieller Aktivität; Erträge je nach Standort 25–80 kg/ar, im Betriebsdurchschnitt 50–60 kg/ar; ab Orts- bzw. Lagenweinen ausschließlich Handlese in kleinen Kisten; Fokus auf physiologische Reife bei moderaten Mostgewichten; Ziel ist innere Spannung und Textur – nicht Zuckerreife; entsprechend moderate Alkoholwerte.
- Arbeit im Keller: Spontanvergärung; schonende Pressung ohne forcierte Extraktion, minimalinvasive Vinifikation; lange Hefelager auch bei Weißweinen, verlängerte Reifezeiten bei Pinot Noir; wo möglich unfiltrierte oder nur sehr grob filtrierte Abfüllung; unsere Arbeitsweise orientiert sich bewusst an einer klassischen, vorindustriellen Weinwerdung – Handwerk vor Technologie, Zeit vor Intervention; Burgund verstehen wir nicht als Stilkopie, sondern als Denkschule: Reduktion, Geduld und kompromisslose Herkunftsorientierung.
- Fässer: Überwiegend französische Barriques und Tonneaux (228–500 L); Neuholzanteil je nach Wein 0–40 %, stets strukturell eingebunden und nie dominierend; großes Holz für strukturierte Weißweine; das Feigenwäldchen reift teilweise in Stückfässern aus 180-jährigen Eichen, gewachsen in unmittelbarer Nähe zum Weinberg; Ziel ist eine langsame Reife mit feiner Holzintegration und klarer Textur.
- Exportanteil: 20 %; Schwerpunkte: USA, Dänemark, Australien, China, Niederlande, Estland; der internationale Ausbau erfolgt selektiv und partnerschaftlich; strategische Zielmärkte, die wir gerne noch aufbauen würden: Schweiz, Skandinavien (Schweden, Norwegen, Finnland), Österreich.
- Händler: Wir sind kein lautes Weingut. Unser Fokus lag in den vergangenen Jahren bewusst auf der Weiterentwicklung unseres Standorts, der präzisen Arbeit im Weinberg und Keller sowie auf dem selektiven Ausbau unserer Exportmärkte; im deutschen Fachhandel bestehen daher noch gezielt Entwicklungsräume, die wir partnerschaftlich und mit klarem Profil besetzen möchten; wir suchen Händler mit gastronomischer Kompetenz und einem Verständnis für herkunftsgeprägte, burgundisch gedachte Weine – selektiv und langfristig.