Karl Fritsch

Weingut: Weinberghof Fritsch Ort: Niederösterreich

Wenn Karl Fritsch an seine Anfänge zurückdenkt, muss der Wagramer Winzer schmunzeln. Sein Vater, so erzählt er, habe ihn in jungen Jahren vor die Entscheidung gestellt, zwischen Ackerbau, Viehhaltung und Weinbau zu wählen. Da die kindliche Freude, am Traktor zu sitzen, schon lange nachgelassen hatte, und die Vorstellung, als Jugendlicher noch vor Sonnenaufgang im Schweinestall zu stehen, wenig verlockend war, blieb ihm nur der Wein. Als Fritsch 1985 die Weinbauschule in Krems abschließt, steckt die Branche gerade inmitten des Weinskandals. Ein ernüchternder Start für den jungen Weinbauern, der vor Enthusiasmus und Energie nur so sprühte. Zwei Jahre später bringt er mit „Windspiel“ seinen ersten Wein mit damals undenkbaren 10,5 % vol. Alkohol in die Flasche. „Meine Lehrer haben mir davon abgeraten. Aber ich finde, es ist das Recht der Jugend, alles auszuprobieren. Und das habe ich auch gemacht. Ich habe Alkoholbomben mit 14,5 % vol. produziert, habe Pinot-Sorten gepflanzt und Barriquefässer in einer Menge gekauft, dass die Kellertür nicht mehr zugegangen ist und jeder Wein nur noch nach Holz geschmeckt hat. Das waren alles Modeerscheinungen. Ich bin aber jedes Mal wieder rasch an die Basis zurückgekehrt.“

Aussagekräftige Weine

Verschiedene Lebensumstände führen schließlich dazu, dass Karl Fritsch sein Dasein als Winzer grundlegend hinterfragt. 2006 wird er Gründungsmitglied der Winzervereinigung respekt-BIODYN. „Ich habe gemerkt, dass ich nur ein winziger Teil des Ganzen bin. Grund und Boden können uns niemals gehören, auch wenn das Schwarz auf Weiß auf einer Urkunde steht. Es ist unser Privileg, darauf Wein anbauen zu dürfen. Und unsere Verpflichtung, die Erde besser zu übergeben, als wir sie bekommen haben.“ Die Kunst des Weinmachens liegt für Fritsch heute darin, die Trauben bis zu ihrer physiologischen Reife lediglich zu begleiten und ihnen dafür ausreichend Zeit einräumen. Damit jede Sorte ihr eigenes, herkunftstypisches Geschmacksprofil zeigen kann. „Guter Wein wird mit Grips gemacht, großer Wein passiert. Das heißt man muss ihn machen lassen: damit er seine Aromen entwickelt und seine innere Balance findet. Dann trinkt man nicht nur eine Flüssigkeit, sondern Kultur.“

 

  • Größe: 27 Hektar
  • Wichtigste Rebsorten: Grüner Veltliner, Roter Veltliner, Riesling, Pinot Noir
  • Zertifizierung: Biodynamisch (seit 2009), respekt-BIODYN (seit 2006, Gründungsmitglied)
  • Wichtigste Lagen: Am Wagram Ried Mordthal 1ÖTW und Ried Steinberg bei Ruppersthal sowie die Ried Schlossberg 1ÖTW bei Oberstockstall
  • Wichtigste Böden: Löss (Ried Schlossberg 1ÖTW) und Löss mit Unterböden aus Schiefer und Granit (Ried Steinberg) bzw. Konglomeraten und Verwitterungsgestein (Ried Mordthal 1ÖTW)
  • Arbeit im Weingarten: Biodynamische Bewirtschaftung nach respekt-BIODYN, 100% Handlese, eigene Kompostwirtschaft
  • Arbeit im Keller: Keine Schönungsmittel, Zusatzstoffe und Hilfsmittel, mechanische Belastungen werden durch die Nutzung von Gravitation und Vibration vermieden (keine Pumpe, keine Schnecke), jegliche wesentliche Bewegung des Weines wird auf die Mondphasen abgestimmt, Spontangärung, bis zu zwei Jahre Lagerung auf der Feinhefe in Fässern, beim Wein Tausend Weiss sind es sogar drei Jahre, Schwefeleinsatz von maximal 60-65 mg/l, Weine wie Purist® und Materia Prima sind komplett schwefelfrei
  • Fässer: Edelstahltanks, französische Eichen- und Akazienfässer, Betonamphoren, Betone
  • Exportanteil: Über 60 Prozent
  • Händler: Morandell, Wein Wolf, Wein&Co und in ausgewählten Vinotheken
Weinbesprechung  Karl Fritsch
  • Komplex mit gut eingebundenen Tanninen, sehr harmonisch! Passt genial zu Wildgerichten. Toller Jahrgang, dem man sicher noch länger liegen lassen könnte.

    Pinot Noir

  • Schöne Exotik, am Gaumen Steinobst. Wir lieben die Mineralik und Cremigkeit dieses Veltliners. Am Ende: Wiesenkräuter.

    Grüner Veltliner Ried Steinberg
    2020

  • Super Stoff! Schon in der Nase wirkt er opulent, aber nie aufdringlich. Typische Würze mit dezenten Kräuter-Aromen. Üppig und trotzdem trinkanimierend.

    Grüner Veltliner Ried Schlossberg
    2019

  • Tolle Sortentypizität: Pfirsich, etwas dunkle Würze, schöne Struktur, straffe Säure. Die Lage wird perfekt wiedergegeben.

    Riesling Ried Mordthal
    2019

  • Was für ein trinkanimierender Riesling. Sehr straight und der leichte Gerbstoff steht ihm gut. Eine Flasche ist schnell geleert.

    Wagram Riesling
    2020

  • Grüner Veltliner und Traminer in spannender Balance. Zitrus-Aromen und Exotik. What you smell is what you get: super Stoff!

    Materia Prima

Beiträge  Karl Fritsch