Johannes Gebeshuber

Weingut: Gebeshuber Ort: Niederösterreich

Johannes Gebeshubers Weg zum Wein war kein sehr gerader. Ein Wirtschaftsstudium und ein Job in der Unternehmensberatung standen am Anfang der Karriere. „Vieles im Beruf war mir aber zu theoretisch und ich habe mich wieder an meine bäuerlichen Wurzeln erinnert.“ Als gebürtiger Gumpoldskirchener war der Weinbau praktisch schon vorgegeben. Die verpachteten Rebanlagen seiner Familie nahm er wieder zurück und erweiterte sie immer mehr.

Der Einstieg in den biologischen Weinbau ging schnell. „Wenn man mit der Natur arbeitet, bekommt man recht bald mit, dass man eine Verantwortung für Grund und Boden hat.“ Von Beginn an arbeitete Johannes Gebeshuber naturnah. Anfangs noch nicht zertifiziert, aber relativ bald auch offiziell. Die Biodynamie war für ihn der nächste logische Schritt.

Zweifel hatte er nie, denn er sah sehr schnell, dass biologischer bzw. biodynamischer Weinbau funktionierte. „Was man gerne unterschätzt, ist allerdings, dass sich der Arbeitsaufwand im Weingarten vor allem in den ersten Jahren fast verdoppelt.“

Mitbegründer des Weinlands

Seine wichtigsten Rebsorten sind Zierfandler und Rotgipfler. „Die beiden sind selten geworden, sie haben aber das Potential für hochqualitative, vielschichtige Weine. Für mich sind sie die Mitbegründer des Weinlands Österreichs.“ Schwierig zu kultivieren ist das Duo aber schon. Der Zierfandler noch einmal mehr als der Rotgipfler. „Das Zusammenspiel aus Sorte und Kalkböden ist schon einzigartig.“

 

  • Größe: 26 Hektar
  • Wichtigste Rebsorten: Zierfandler, Rotgipfler, Pinot Noir, St. Laurent
  • Zertifizierung: Demeter (seit 2019), bio (seit 2008).
  • Wichtigste Lagen: Modler, Wiege (Zierfandler), Laim, Student (Rotgipfler), Viereck (Pinot noir), Glas (St. Laurent) 
  • Wichtigste Böden: Fossiler Muschelkalk mit relativ dünner Braunerdeauflage
  • Arbeit im Weingarten: 100 Prozent bewässerungsfrei, 100 Prozent Handlese, biodynamische Bewirtschaftung nach Demeter. Möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft. 
  • Arbeit im Keller: Möglichst wenig Intervention (z.B. Schönung, Filtration), alles Spontanvergärung
  • Fässer: Edelstahl bzw. vor allem 500-l-Fässer aus französischer Eiche (ca. 9 Produzenten, auch Stockinger)
  • Exportanteil: ca. 25 bis 30 Prozent
  • Händler: Franz Messeritsch (mselection), Getränke Wille, Weinkellerei Meraner, Weinkultur Ernst, Vinothek Pusswald, Weinhaus Wakolbinger, Magazin
Weinbesprechung  Johannes Gebeshuber
  • Was für eine Nase! Reife Kirsche, etwas Rosmarin, Kaffee. Dann gesellen sich noch Tabak-Noten dazu. Robustes Tannin und dunkelbeerige Frucht.

    Pinot Noir Ried Viereck
    2018

  • Zuerst zurückhaltend mit einer leichten Blütenstaub-Aromatik. Aber dann: nussig, kräutrig und kräftg am Gaumen. Ein super Speisenbegleiter.

    Zierfandler Ried Wiege
    2018

  • Die frische Säure zischt am Gaumen, dazu tanzt feingliedrig Tannin. In der Nase dominieren Sauerkirche und Holler. Die Bitterness im Abgang macht den Charakter aus.

    Sankt Laurent Ried Glas
    2018

  • Spannender Rotgipfler: Nussig und florale, reife Blütenaromatik. Viel Körper und Opulenz am Gaumen. Ölig und dicht mit Holz unterstützt.

    Rotgipfler Ried Laim
    2018

  • Super! Voluminös und üppig steht er da, viel Brioche, etwas Vanille und dezentes Holz. Schmelzig und dicht am Gaumen mit nussigen Noten.

    Rotgipfler Ried Student
    2018

  • Schießpulver in der Nase! Sehr reduktiver Stil, präsente Hefe und Mineralik, die auch den Gaumen erfreut. Mit einem buttrigen Schmelz.

    Zierfandler Ried Modler
    2018

Beiträge  Johannes Gebeshuber