Andreas Harm

Weingut: Harm Ort: Niederösterreich

Er ist die 4. Generation am Weingut, macht vieles radikal anders und doch einiges gleich: „Im Keller gibt es nur eine Pumpe und eine Presse. Primitivst – aber mehr brauche ich nicht.“ So spricht einer, der sich Jahre lang intensivst und wissenschaftlich mit ökologischer Landwirtschaft und Pflanzenschutz beschäftigt hat. Einer, der aus der Theorie in der Praxis angekommen ist. „Endlich“, sagt Andreas Harm. „Denn von der Mentalität her war ich immer ein Praktiker.“ Es hat aber ein paar Abzweigungen gebraucht, bis ihn das Leben auf die „richtige“ Bahn gelenkt hat. Auf Abwegen war Harm freilich auch zuvor nicht. Es war vielmehr eine Vorbereitung auf all das, was sein Weingut heute auszeichnet.

 

Aber der Reihe nach: Andreas stammt aus einer Weinbauernfamilie, den Hof hat aber der jüngere Bruder übernommen. Andreas studierte auf der Boku in Wien ökologische Landwirtschaft und forschte zu Systemen, wie man in der biologischen Landwirtschaft mit Pflanzenschutz umgehen kann. Ein Doktorarbeit verfasste er über Resistenzreaktionen der Rebe. Ergebnis: Selbst eine anfällige Sorte wie der Grüne Veltliner kann sich selbst gut verteidigen, sie braucht nur mehr Zeit. Die Arbeit im Labor wurde ihm bald zu theoretisch, Harm wechselte als Berater für den Bereich Bio-Weinbau zur Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Das war 2008 und damit war er seinem Ziel schon sehr nahe. Das verwirklichte er dann 2010: Gemeinsam mit seiner Frau Maria gründete Andreas sein eigenes Weingut. Zuerst haben sie es nebenberuflich betrieben, seit 2017 ist es ein Hauptjob für beide.

Minimalismus

Endlich kann Andreas Harm sein Wissen in die Praxis umsetzen. Heute bewirtschaftet er mit Maria 12,5 Hektar Weingärten im Kremstal und in der Wachau. Dass sie in den Weingärten biologisch arbeiten würden, war von Beginn an klar. Wird ein Weingarten neu übernommen, erfolgt sofort die Umstellung auf bio. Wobei Andreas Harm die einschlägigen wissenschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen aus seinem Beruf als Berater natürlich zugutekommen. Und die Arbeit im Keller? „Die ist Minimalismus pur“, sagt Harm. „Nicht unser Machen steht im Vordergrund, sondern ein ständiges Werden.“ Kein technischer Stil auf der einen Seite und andererseits auch keine Stilistik, die durch Vinifizierung geprägt ist – also zum Beispiel auch keine lange Maischegärung. Harm: „Nicht permanentes Eingreifen und Manipulieren verleiht den Weinen ihren Charakter, sondern die Reduktion auf ein minimales Maß an Hilfestellung und Handhabe.“ Der eingangs zitierte „primitive“ Weinkeller erweist sich so als perfekter Ort für die Umsetzung dieser Philosophie.

 

  • Größe: 12,5 Hektar 
  • Wichtigste Rebsorten: 70% Grüner Veltliner, 20% Riesling, Pinot Noir (5%) und Roter Veltliner
  • Zertifizierung: Demeter seit 2018, bio seit 2010
  • Wichtigste Lagen: südliche Donauseite: Ried Goldbühel und genau gegenüber Kremser Wachtberg (75-jährige Veltliner Reben); in Stein Steiner Goldberg
  • Wichtigste Böden: Löss, hier eher sandig durchmischt mit Urgesteins-Verwitterungsboden auf der südlichen Donauseite (dort steht der Grüne Veltliner), Lehmboden auf Kalkkonglomerat sowie Urgesteinsböden mit Gneis (Wachau, Krems)
  • Arbeit im Weingarten: Lese zu 100% per Hand, Rebschnitt wird selbst gemacht, 90% der Fläche wird mit dem Traktor bewirtschaftet, 10% mit der Hand. Ganz wichtig: Betriebskreislauf geschlossen halten, Pflegemittel, die auf die Pflanzen gespritzt werden, werden im Umfeld der Weingärten gesammelt (Schafgarbe, verschiedenste Salbei-Arten, kanadische Goldrute, Brennnessel), Komposteinsatz (bei Böschungen abmähen und kompostieren); in manchen Weingärten wachsen auch Gemüse und Obstbäume (Marille, Pfirsich) sowie Kräuterinseln, das erhöht die Biodiversität und reduziert den Stress für die anderen Pflanzen, je artenreicher der Standort, desto robuster gegenüber Schädlingen. 
  • Arbeit im Keller: Sehr minimalistisch, Trauben meistens ganz gepresst mit den Kämmen, Most absetzen lassen, Spontangärung, Weine bleiben auf der Mutterhefe für innere Balance, auf der Feinhefe bis zum Fülltermin, geringer Zusatz von Schwefel beim Füllen, Bentonit stabilisiert 
  • Fässer: hauptsächlich Stahltanks, teilweise Holz (Stockinger) oder gebrauchte französische Barrique-Fässer
  • Exportanteil: 75 Prozent
  • Händler: Messeritsch

Weinbesprechung  Andreas Harm
  • Eine der kühlsten Lagen im Kremstal. Daraus entsteht dieser fruchtgeprägte und komplexe Riesling. Mineralisch und elegant. Ein Allrounder im Einsatz.

    Riesling Alaun
    2020

  • Die kargen Urgesteinsböden des Alauntals prägen diesen Wein. Spritzig angenehme Säure mit ausgeprägter Primärfrucht. Super Trinkfluss.

    Grüner Veltliner Alaun
    2021

  • Noch wirkt er frisch und jugendlich. Wir erkennen aber sein hervorragendes Lagerpotential. In 5 bis 10 Jahren habt ihr hier einen vollmundig kräftigen Riesling im Keller.

    Grüner Veltliner Goldbühel
    2021

  • Würzig und druckvoll, elegante Frucht. Zeigt eindrucksvoll die Kraft der Lage. Schöner Speisenbegleiter.

    Grüner Veltliner Ried Goldbühel Kremstal DAC
    2019

  • Toller Trinkfluss! Duftig und aromatisch, am Gaumen spannende Kühle. Aus verschiedenen Parzellen oberhalb des Kremser Alauntals.

    Riesling Alaun
    2019

  • Straff mit enormer Säuere, das macht richtig Spaß! Dazu ein Punch voller Kräuter mit leicht exotischer Frucht.

    Riesling Ried Steiner Goldberg Kremstal DAC Reserve
    2018

  • Die 80-jährigen Reben sorgen für viel Charakter in diesem Wein. Harmonisch in der Nase, am Gaumen schöner Druck und elegante Cremigkeit. Mehr davon!

    Grüner Veltliner Ried Kremser Wachtberg Kremstal DAC
    2019

  • Saftig und frisch, Grüner Veltliner ohne ein Gramm Fett. Richtig geiler Stoff mit animierender Fruchtsäure und toller Textur.

    Grüner Veltliner Alaun
    2020

  • Saftige Frucht mit viel Ruhe in der Nase. Das selbe zeigt sich beim ersten Schluck. Lebendig. Ein Wein, der begeistert. Großes Kino!

    Grüner Veltliner Ried Höhlgraben DAC Reserve
    2018

Beiträge  Andreas Harm