Johannes Hirsch

Weingut: Hirsch Ort: Niederösterreich

Eigenständigkeit. Verlässlichkeit. Weitsicht. Es sind Schlagworte, die einem im Gespräch mit dem Kamptaler Winzer Johannes Hirsch unweigerlich in den Sinn kommen. Sie ziehen sich wie roter Faden durch die Geschichte des Weinguts. Weil Hirsch einer ist, der seinen Weg unbeirrt geht. Das hat er von seinem Vater. Schon der Senior Josef Hirsch agierte in vielen Belangen revolutionär – etwa damals, als er schwer zugängliche Weingärten oben am Heiligenstein kaufte, die sonst keiner haben wollte. Oder auch, als er 1979 beschloss, seine Flächen nur noch mit natürlichem Kompost von Käsemacher Robert Pagets Ziegen und Büffel zu düngen. „Wir haben oft Sachen gemacht, die für schräg gehalten wurden. Heute kann ich meinen Vater für seinen Weitblick gar nicht genug danken“, so Johannes Hirsch, der den familientypischen Eigensinn geerbt hat. 1999, auf dem Höhepunkt des Rotweinbooms, rodet er alle roten Sorten und konzentriert sich stattdessen auf Grüner Veltliner und Riesling. Ungefähr zur gleichen Zeit stellt er von Kork auf Schraubverschluss um – damals noch weitgehend ein No-Go, gerade bei Lagenweinen. „Als ich in das Weingut eingestiegen bin, dachte ich, meine Zukunft sind Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Früher hat man aber auch einen Bauchladen voll Weine gebraucht. Das ist heute zum Glück anders.“

Weine mit Lagen-Fingerprint

Johannes Hirsch investiert in der Folge all seine Energie in seine Lagen. Weil er will, dass seine Weine nach Grub, Lamm, Renner, Gaisberg und Heiligenstein schmecken, stellt er auf Biodynamie um. „Blindverkostungen haben einfach gezeigt, dass es nur die biodynamisch produzierten Weine sind, die den Fingerprint ihrer Einzellage zeigen. Klar hätten wir ein einfacheres Leben gehabt, wenn wir nicht alles in unsere Lagen gesteckt hätten. Aber ich will mir später nichts vorwerfen müssen, wenn ich es für meine Kinder nicht getan hätte.“ Auch in der Zukunft konzentriert sich Hirsch weiter auf seine Böden. Denn so könne er auch dem Klimawandel trotzen. „Unsere Lagen haben das Potential, dass wir noch ganz viel aus ihnen rausholen. Wobei wir nichts erzwingen. Das ergibt sich einfach. Und wenn es uns 2018 gelungen ist, dann werden wir auch noch weitere trockene Jahrgänge durchbekommen.“

 

  • Größe: ca. 30 Hektar
  • Wichtigste Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling
  • Zertifizierung: Biodynamisch (seit 2010), respekt-BIODYN (seit 2006, Gründungsmitglied)
  • Wichtigste Lagen: Kamptaler-Top-Lagen Lamm 1ÖTW, Grub 1ÖTW und Renner 1ÖTW in Kammern, Ried Gaisberg 1ÖTW in Kammern und Zöbing sowie Ried Heiligenstein 1ÖTW in Zöbing
  • Wichtigste Böden: Löss und Lehm (Ried Lamm 1ÖTW), purer Gneis (Ried Gaisberg 1ÖTW), Löss mit Schluff- und Sandsteinen (Ried Grub 1ÖTW), Löss auf Schiefer (Ried Renner 1ÖTW) und Löss auf Sandstein (Ried Heiligenstein 1ÖTW)
  • Arbeit im Weingarten: Biodynamische Bewirtschaftung nach respekt-BIODYN. Seit 2013 erfolgt der Rebschnitt nach der sanften Methode von Simonit & Sirch. Seit 1978 ausschließlich Kompost als Naturdünger von Robert Pagets Hof in Diendorf am Kamp. Hohe Stockdichte, akribische Laubarbeit und ertragsreduzierende Maßnahmen. Traubenlese ausschließlich per Hand in kleinen Kisten (20 kg)
  • Arbeit im Keller: Schonende Verarbeitung durch Ganztraubenpressung. Spontangärung. Schwefeleinsatz nicht mehr als notwendig. Langer Kontakt auf der Feinhefe sowie eine späte Flaschenfüllung
  • Fässer: Edelstahltanks, Holzfässer aus österreichischer Eiche und Akazie
  • Exportanteil: 50 Prozent
  • Händler: Zahlreiche Weinhändler und Vinotheken verteilt in ganz Österreich, Liste online einsehbar
Weinbesprechung  Johannes Hirsch
  • Ein eleganter, aber komplexer Einsteigerwein mit langer Lagerfähigkeit. Straffe, präzise Nase, animierende Säure – super süffig.

    Kammern Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2021

  • Straffe Säure mit etwas Grip, Steinobst Noten und am Gaumen eine subtile Frucht. Ein zugänglicher Riesling mit hohem Lagerpotential.

    Zöbing Riesling Kamptal DAC
    2020

  • In der Nase gelbfruchtige Aromatik. Ein komplexer und eleganter, mineralischer Veltliner mit langem Abgang und trinkanimierender Säure.

    Kammerner Gaisberg 1ÖTW Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2020

  • Wow! Ein fordernder und komplexer Veltliner mit einer Präsenz auf Würze und einer animierenden Säure.

    Kammerner Grub 1ÖTW Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2020

  • Nach 7 Jahren wieder im Verkauf! Am Gaumen noch immer eine jugendliche Säure und schöne Präsenz. Komplexer langer Abgang mit mineralischem Nachklang.

    Gaisberg 1OTW Riesling Kamptal DAC
    2015

  • Ein großer Riesling mit viel Potential und einer eleganten Komplexität mit straffer Säure, fantastischer Mineralik und langem Abgang.

    Zöbinger Gaisberg 1ÖTW Riesling Kamptal DAC
    2020

  • Perfekter Speisenbegleiter! Leichte gelbe Frucht in der Nase, am Gaumen geht es frisch und knackig weiter. Schöner Ortswein.

    Kammern Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2020

  • Auf der Zunge pfeift dieser Riesling richtig laut! Salzigkeit, Frische und geile anregende Säure. Der schreit geradezu nach Essensbegleitung.

    Zöbing Riesling Kamptal DAC
    2019

  • Die Nase mag noch nicht ahnen, welche Kraft und Finesse dieser Veltliner am Gaumen entwickelt. Klassisch, aber groß!

    Kammerner Renner 1ÖTW Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2019

  • Steht nur vermeintlich im Schatten der Lage Lamm. Ein Veltliner voller Druck, Spannung und Kraft. Mehr davon!

    Kammerner Grub 1ÖTW Grüner Veltliner Kamptal DAC
    2019

  • Gneis und Glimmerschiefer pur! Karg und trinkig. Was für ein frischer Riesling mit Tiefe und Ausdruck. Chapeau!

    Zöbinger Gaisberg 1ÖTW Riesling Kamptal DAC
    2019

  • Das kühle Jahr steht diesem Wein sehr gut. Lange wurde er zurückgehalten, jetzt wieder im Verkauf. Feine Säure, tolle Haltbarkeit.

    Zöbinger Gaisberg ÖTW Riesling Kamptal DAC
    2014

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