Helle Frucht, Zitrus, feine Kräuterwürze. Saftig, frisch, präzise, gute Spannung, trockenes Finish. Sandig leicht.
Thomas Widmann
Was einst als Verrücktheit galt, ist heute ein Vorzeigeprojekt: Thomas Widmann baut auf 1048 Metern Reben an und lotet die Grenzen des Weinbaus neu aus.
„Damit die Vergärung startet, brauche ich eine Glühbirne“, sagt Thomas Widmann. Es sind Sätze wie diese, die zeigen: Das Winzerleben auf 1048 Höhenmetern ist ein von Grund auf anderes „als weiter unten im Tal“, wie Widmann sagt. Besagtes Tal weiter unten ist Bozen, Widmanns Bergbauernhof namens „Widum-Baumann“ liegt rund 800 Meter weiter oben, im 500-Seelen-Nest Afing. Es gehört heute zu den zukunftsweisendsten Unterfangen in Sachen Cool-Climate-Wein. Das ist Widmanns Wagemut zu verdanken, der damals, vor über 30 Jahren, noch als völlige Verrücktheit abgetan wurde. Doch die Klimaerwärmung ist nun einmal eine reale Sache. „Mein Vater war damals als Landwirt schon in seinem eigenen Weinkeller tätig, und als Kind war ich mit ihm im Sommer oft auf Almhütten unterwegs“, erinnert sich Widmann. „So ist schon früh meine Leidenschaft für das Bergleben und den Wein entstanden.“
Es ist eine Leidenschaft, die den jungen Thomas schließlich fürs Studium an die Universität für Bodenkultur nach Wien führt. Und letztlich auf den Bergbauernhof zurück in Südtirol, „den wir auf Schulden gekauft und behutsam renovieren mussten“, sagt Widmann. Zunächst wurde mit dem Apfelanbau begonnen, in dieser Höhenlage damals etwas, das vielen unmöglich schien. Dann, im Jahr 2012, erfüllte sich Widmann seinen lange gehegten Traum: den Anbau von Rebstöcken. „Wir haben 21 Sorten gesetzt und über Jahre in Glasballons mikrovinifiziert, in Amphoren mazeriert, schonend klassisch ausgebaut, um zu verstehen, mit welcher Sorte, mit welcher Methode die besten Ergebnisse erzielt werden können“, erklärt Widmann. „Geblieben sind davon 11 Sorten.“ Das Ergebnis heute: spannungsgeladene, straffe Weine, wie etwa der fruchtige, aber vielschichtige Blauburgunder. Oder der „vertikale“ Weißburgunder, der, wie Widmann sagt, gleichzeitig „erstaunlich breit“ ist. Und was hat’s mit der Glühbirne auf sich? „Die braucht es, weil es hier oben im Keller zu kalt wäre, um die Vergärung zu starten“, erklärt Widmann. „Diese 200-Watt-Glühbirne, die ich unter die Amphore platziere, bringt durch ihre Wärme alles in Fahrt.“ Womit bewiesen wäre: In jedem Widum-Baumann-Wein steckt ein Erfahrungsschatz in Sachen Weinanbau in Höhenlagen, der in Zukunft viele Winzer:innen auch außerhalb Südtirols interessieren wird.
Größe: 3,8 ha
Wichtigste Rebsorten: 11 Sorten
Zertifizierungen: Bioland
Wichtigste Lagen: Alles rund um den Hof auf 1048m
Arbeit im Weingarten: Biodynamisch
Arbeit im Keller: spontanvergoren, minimalinvasiv
Fässer: 80% Amphoren, Rest altes Holz
Exportanteil: 10%