Quereinsteiger David Lenhart denkt Wein radikal frei, im Keller wie im Marketing. Statt Regeln zu folgen, probiert er aus, hinterfragt und geht eigene Wege. Sichtbar wird das im Glas – und auf seinem Instagram-Account.
David Lenhart ist nicht mit Wein groß geworden. 15 Jahre lang arbeitete er als Sonderschullehrer, bevor er gemeinsam mit seiner Frau Doris den Branchenwechsel wagte. Der Einstieg war pragmatisch: Der Schwiegervater ging in Pension, zwei Hektar wurden frei, Lenhart übernahm – und begann, sich Schritt für Schritt ein eigenes Verständnis von Wein zu erarbeiten. „Das war alles andere als romantisch gedacht. Es hat sich ergeben, also habe ich einfach ausprobiert.“ Sein unverstellter Zugang prägt seine Arbeit bis heute. Ohne familiären Erwartungsdruck, ohne Vorgaben aus dem Lehrbuch. „Wenn etwas nicht funktioniert, mache ich es anders. Diese Freiheit, Dinge auszuprobieren, ist ein riesiger Vorteil.“
Das Winzerhandwerk eignete er sich autodidaktisch an, durch Ausprobieren und im Austausch mit Winzerkolleg:innen. „Am Ende merkt man: Es gibt nicht das eine Richtig oder Falsch. Jeder erzählt etwas anderes, also muss man seinen eigenen Weg finden.“ Seine Konsequenz daraus: reduzieren, weglassen, beobachten. Im Weingarten lässt er bewusst Spielraum, wo er ihn für sinnvoll hält. Im Keller arbeitet er mit spontaner Vergärung, langen Hefelagerzeiten und so wenig Eingriff wie möglich. „Mir geht es darum, die Traube nicht zu verbiegen, sondern sie einfach sprechen zu lassen.“
Parallel dazu baut Lenhart seine Sichtbarkeit auf unkonventionelle Weise auf. Auf Instagram erreicht er mit pointierten, oft augenzwinkernden Rap-Videos ein Publikum, das weit über die klassische Weinszene hinausgeht. „Das ist für mich das direkteste Marketing. Und es funktioniert. Wenn ich zu Messen oder Veranstaltungen komme, kennen mich die Leute bereits.“ Angetrieben wird er von dem Anspruch, sich selbst und anderen zu zeigen, dass sein Weg funktioniert. „Ich will nicht nur groß reden, sondern beweisen, dass man auch anders erfolgreich sein kann.“ Er ist auf dem besten Weg dahin.
- Größe: 1,8 ha Rebfläche
- Wichtigste Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Roter Veltliner
- Zertifizierungen: Bio Austria
- Wichtigste Lagen: Ried Scheibe
- Arbeit im Weingarten: Seit über 30 Jahren biologisch bewirtschaftete Weingärten. Ausschließlich Handlese sowie intensive Handarbeit vom Rebschnitt bis zur Ernte. Im Mittelpunkt stehen gesunde Böden, vitale Reben und authentische Weine.
- Arbeit im Keller: Spontangärung, langer Hefekontakt und minimale Eingriffe prägen die Vinifikation. Statt den Wein zu formen, wird er auf seinem Weg zur Reife begleitet, sodass Herkunft, Jahrgang und Rebsorte unverfälscht zum Ausdruck kommen.
- Fässer: Edelstahltanks, Eichenfässer und Betongefäße.
- Exportanteil: k. A.
- Händler: Derzeit auf der Suche nach Vertriebspartnern.