Christina Netzl hat das Familienweingut nicht neu erfunden, aber das Netz der Möglichkeiten deutlich weiter gespannt. Zwischen Bio, Spontangärung und Experimentierfreude entsteht hier eine neue Generation Carnuntiner Weine.
Fragt man Christina Netzl, was sich alles verändert hat, seit sie ins elterliche Weingut zurückgekehrt ist, bekommt man eine lange Antwort. Eine, die auf faszinierende Art und Weise zeigt, wie sich eines der etabliertesten Weingüter im Carnuntum geradezu neu erfinden kann, ohne seine DNA zu verlieren – und nun zukunftsfitter denn je dasteht.
Aber von Anfang an: „Natürlich war es zu Beginn eine generationenübergreifende Arbeit, es war immer ein Dialog zwischen mir und meinem Papa“, erinnert sich Christina. Es war die Zeit, in der sie langsam in den elterlichen Betrieb hineinfand, nachdem sie an der Fachhochschule Eisenstadt Internationales Weinmanagement studiert hatte. „Es war ein schleichender Prozess, aber 2013 habe ich dann im Großen und Ganzen übernommen“, sagt Christina.
Mit der Übernahme begann die konsequente Umstellung auf biologische Bewirtschaftung – ein Schritt, der der Winzerin besonders am Herzen lag. „Wir haben schon bald gesehen, wie gut das den Weingärten tut, um wie viel vitaler und widerstandsfähiger sie mit der Zeit wurden.“ Es folgten weitere Veränderungen: intensive Handarbeit im Weingarten, Handlese in Kisten statt Lesewägen, sorgfältige Sortierung des Leseguts, Schwerkraft statt Förderschnecken und die Einführung der Spontangärung. Diese Qualität im Weingarten eröffnete schließlich neue Freiräume im Keller. „Durch dieses sehr gesunde Traubenmaterial haben wir uns im Keller getraut, neue Dinge auszuprobieren, und so ist die neue Linie der Christina-Weine entstanden“, erklärt sie. Weine wie die „Wilde Liebe“ oder der „Christina kühlbar“ stehen heute für einen eigenständigen, experimentierfreudigen Stil mit langen Hefelagerzeiten, wenig bis keinem Schwefel und bewusst eingesetzter Oxidation – und zeigen eindrucksvoll, wie sich Tradition und Innovation ergänzen können.
- Größe: 30 ha Rebfläche
- Wichtigste Rebsorten: Zweigelt, Chardonnay, Blaufränkisch, Weißburgunder, Merlot und Grüner Veltliner
- Zertifizierungen: Biologisch-organische Bewirtschaftung, zertifiziert durch Lacon GmbH (AT-BIO-402)
- Wichtigste Lagen: Ried Bärnreiser 1ÖTW, Ried Haidacker 1ÖTW, Ried Altenberg und Ried Schüttenberg 1ÖTW.
- Arbeit im Weingarten: Biologische Bewirtschaftung mit Kräuterauszügen, konsequente Handarbeit an den Rebstöcken und 100 % Handlese. Eigene Kompostierung sowie vielfältige Begrünungsmischungen fördern Bodenleben und Biodiversität. Besonderes Augenmerk gilt außerdem dem Erhalt von Böschungen und Bäumen in und rund um die Weingärten.
- Arbeit im Keller: Schonende und naturnahe Verarbeitung der Trauben, abgestimmt auf Jahrgang, Sorte und Herkunft. Weißweine werden als ganze Trauben gepresst, Rotweine möglichst ausschließlich mittels Schwerkraft verarbeitet. Spontangärung, lange Lagerung auf der Voll- oder Feinhefe, Experimente mit Maischestandzeiten, Ganztraubenvergärung und unterschiedlichen Ausbauarten sowie teilweise unfiltrierte Abfüllung prägen die Handschrift des Weinguts.
- Fässer: Barriques, 500-Liter-Fässer, große Holzfässer mit 2.500 bis 6.000 Litern Fassungsvermögen, 750-Liter-Amphoren sowie Edelstahltanks.
- Exportanteil: 50 %
- Händler: Del Fabro, Transgourmet, Getränke Wille, Zillertal Bier, Amann-Summer-Rieder und Zawadil.