Bio, Biodynamie, PIWIs – Umathum war nie Mitläufer, sondern Wegbereiter. Ein Porträt über einen Winzer, der Trends nicht folgt, sondern setzt.
Ein Rotwein-Österreich ohne Josef Umathum wäre vielleicht möglich, aber sinnlos: Kaum jemand hat dem burgenländischen Rotwein über einen so langen Zeitraum internationale Sichtbarkeit verschafft wie der Winzer aus Frauenkirchen. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch die Wurzel der Umathum’schen Erfolgsgeschichte liegt ohne Zweifel in seinem Verständnis der Weingartenarbeit. Es war ein Zugang, der seiner Zeit stets voraus war – und bis heute ist.
Bereits Ende der 1980er-Jahre stellte Josef Umathum seinen Betrieb auf biologische Bewirtschaftung um – zu einer Zeit, als Bio im österreichischen Weinbau noch vielfach belächelt wurde. Seit 2005 werden die Weingärten nach biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet. „Unsere Landwirtschaft orientiert sich an den Grundlagen und der Gedankenwelt von Rudolf Steiner, dem österreichischen Anthroposophen. Diese Art der Bewirtschaftung ist für uns nicht Marketing, sondern Grundlage und Lebenseinstellung. Konkret bedeutet das, dass wir unsere Böden nur mit selbst hergestelltem Kompost aus Naturdung von Rindern des Nationalparks Neusiedler See, Gesteinsmehl und Trestern unserer Trauben versorgen. Auf eine Kennzeichnung der Weine als Bio verzichten wir bewusst“, erklärt Umathum.
Ikonische Lagen wie Hallebühl, Kirschgarten oder Vom Stein genießen heute Kultstatus und stehen für elegante, langlebige Rotweine mit zurückhaltendem Holzeinsatz. Mittlerweile richtet Josef Umathum den Blick bereits auf die nächste Generation des Weinbaus. Seit 2013 beschäftigt sich das Weingut intensiv mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. „Diese ‚neuen‘ Sorten erfordern geringeren Pflanzenschutz und bringen hochinteressante Geschmackserlebnisse“, sagt Umathum. Für ihn ist klar: „Bewahren heißt eben auch verändern, das führt uns die Natur Tag für Tag vor. Wald – Weide – Weingarten, alles auf einem Stück, so sehen wir die Zukunft unserer Rebflächen.“
- Größe: 35 ha Rebfläche
- Wichtigste Rebsorten: Blaufränkisch, Sankt Laurent, Zweigelt, Lindenblättriger, Pinot Gris sowie Gelber und Roter Traminer
- Zertifizierungen: Nachhaltig Austria
- Wichtigste Lagen: Ried Hallebühl, Haideboden, Vom Stein, Ried Kirchberg und Kirschgarten.
- Arbeit im Weingarten: Die Arbeiten im Weingarten orientieren sich konsequent an den Rhythmen der Natur. Ziel ist es, vollkommen reife und gesunde Trauben unversehrt in den Keller zu bringen. Deshalb erfolgt die Ernte ausschließlich selektiv von Hand.
- Arbeit im Keller: Verzicht auf neues Holz und sämtliche önologischen Zusätze mit Ausnahme von Schwefel. Die Weine werden, soweit möglich, unfiltriert abgefüllt, um ihre Herkunft und Eigenständigkeit unverfälscht zu bewahren.
- Fässer: Ausschließlich alte Eichenfässer mit einem Fassungsvermögen von bis zu 4.000 Litern.
- Exportanteil: 20 %
- Händler: Del Fabro, Weinhandelshaus Döllerer und Morandell.