Herbert Triebaumer

Weingut: Triebaumer Ort: Burgenland

Die echten Innovationen kommen von Quereinsteigern, ist Herbert Triebaumer überzeugt. Auf Wunsch des Vaters nämlich, lernte er, wie auch seine drei Brüder, was „G’scheites“. Elektriker in seinem Fall. Wobei: Quereinsteiger ist relativ. Wein hat er mit der Muttermilch aufgesogen, von klein auf machte er die Weingärten unsicher. Unsicher waren auch die Zeiten Anfang der 80er Jahre, wo meist billigst Wein produziert wurde. Da konnten und da wollten die Triebaumers nicht mit. „Wir haben immer schon mit der Hand und nie maschinell gelesen. Schon unser Vater hat nie Herbizide, Pestizide und so verwendet.“ Ok, aber warum jetzt doch Demeter-Zertifizierung? „Wir haben mit den Jahren verstanden, dass die Konsumenten auf einen Blick erkennen wollen, ob der Wein nach biologischen bzw. nach Demeter Richtlinien gewachsen sind. Deshalb haben wir uns nach Demeter entwickelt.“ Unkonventionell sei ihr Stil, sagen sie. Unkonventionell ist auch die Organisation im Betrieb.

Aus dem Handgelenk

„Unser Betrieb is echt Free Style. Es gibt keine Dogmen. Sobald ich merke, dass etwas funktioniert, mache ich es wieder anders.“ Herbert etwa hegt und pflegt u.a. den Weingarten, kümmert sich um Bodenbearbeitung, Gründüngung, sieht nach den Bienen und Schafen. Sein Bruder „Gerli“, gelernter Tischler, braut Tees für die Stärkung der Pflanzen und werkt mehr im Keller. Wobei die Grenzen da fließend sind. „Wir machen die Dinge, weil sie sich so ergeben. Die Weißweinpresse steht bei ihm drüben, die Rotweinvergärung ist bei mir im Haus. Wir richten unsere Reben nicht so her, dass sie abhängig sind von uns wie kleine Kinder, sondern dass sie autonom leben können.“

Entwicklung ist der rote Faden im Weingut. Von der wichtigste Sorte, nämlich Blaufränkisch, werden seit 1985 drei reinsortige Riedenweine ausgebaut. Der Mariental ist dabei schlicht eine Legende. Natural sehen die Free-Styler als experimentelle Archäologie. Sie selber experimentieren seit 2005, seit 2009 keltern sie die schwefelfreien „Urwerk“-Weine (derzeit: Gelber Muskateller, Traminer, Blaufränkisch). Derzeit – denn „nur keine Dogmen.“

 

  • Größe: 18 Hektar (von 20) 
  • Wichtigste Rebsorten: 70% Rot, 30% Weiß; Blaufränkisch, Syrah, Cabernet, Merlot; Chardonnay, Gelber Muskateller 
  • Zertifizierung: In Weiterentwicklung auf Demeter 
  • Wichtigste Lagen: Mariental, Oberer Wald, Gmärk, Vogelsand, Parrnkräften
  • Wichtigste Böden: Richtung Oggau Muschenkalk, Richtung Mörbisch Urgesteinsverwitterunsböden mit Quarz, Glimmerschiefer und Gneis. 
  • Arbeit im Weingarten: Selektive Handlese, wenig Intervention von Maschinen, beweiden Weingärten mit Schafen, Begrünung
  • Arbeit im Keller: Low Intervention, Spontanvergärung, keine Reinzuchthefen, alle unfiltriert (außer bei BF Rusterberg und klassischen Weißen)
  • Fässer: 300-3000 Liter. Keine Barriques. BF kleine Holzfässer, Mariental: großes Holzfass, Eichenfässer von Stockinger
  • Exportanteil: 25 Prozent
  • Händler: Döllerer, Wagner, Morandell. USA: Weygandt- Metzler, Japan: Racines
Weinbesprechung  Herbert Triebaumer
  • Schon die erste Nase macht klar, dass die Trauben von uralten Rebstöcken stammen müssen. Reifes Tannin mit samtiger Textur und leichter Süße. Perfekt!

    Blaufränkisch Urwerk
    2016

  • Fleischig und robust mit mundauskleidendem Tannin. Die für Blaufränkisch typische Säure ist perfekt herausgearbeitet. Einmalige Stilistik.

    Blaufränkisch Ried Oberer Wald
    2018

  • So geht Muskateller! Keine kitschige oder parfümierte Aromatik, sondern knochentrocken mit viel Trinkfluss und einem animierenden Gripp am Gaumen.

    Gelber Muskateller Ried Greiner
    2020

  • Reife Exotik, leicht kräutrig, das Holz dezent im Hintergrund. Cremiger Schmelz am Gaumen, nussige Noten der Hefe. Frische Säurestruktur, sehr animierend!

    Chardonnay Ried Bandkräftn
    2018

  • Extrem vielschichtig. Mit der Zeit macht er immer mehr auf. Ja, da schlummert ein Riese. Schon jetzt strahlend, in ein paar Jahren wird man staunen.

    Blaufränkisch Ried Mariental
    2018

  • Exotische Frucht, etwas kandiert, Litschi und Holunder, strahlende Aromatik. Opulent süß am Gaumen, aber keinesfalls träge. Ein animierender Begleiter.

    Ruster Ausbruch
    2017

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