Gross: Wir brauchen mehr Offenheit und keine uniformierten Weine

Gross: Wir brauchen mehr Offenheit und keine uniformierten Weine

Kommentar von Michael Gross: Rund um Österreich entwickeln sich gerade sehr spannende, neue Betriebe mit individuellen, authentischen Weinen. Im deutschsprachigen Raum begegnet man ihnen aber noch mit großer Voreingenommenheit.

Wir setzen in unserem Weingut in Slowenien stark auf die Sorte Furmint. Diese alte Rebsorte hatte früher in Österreich einen hohen Stellenwert, in der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Serbien wird sie auch heute noch kultiviert. Was mich sehr freut, ist, dass die Weinwelt so viel bunter wird. Wir sind nicht mehr in der Zeit, als in den ehemaligen Ostblockländern nur alles süß war. Jetzt gibt es in diesen Gebieten kleine, individuelle Betriebe mit toll ausgebildeten Weinbauern, die wahnsinnig gute Sachen machen. Der Weinmarkt braucht solche Pioniere. Oft erzählen sie mir aber, wie schwer es ist, im deutschsprachigen Markt Fuß zu fassen. Wesentlich größere Offenheit gibt es in anderen Ländern, etwa in England, Nordeuropa, in den USA oder in Asien. Ich würde mir aber wünschen, dass auch die Weinwelt im deutschsprachigen Raum sehr viel mehr Interesse an neuen, spannenden Winzern und Weinen zeigt.

 

Großes Potenzial

In Slowenien tut sich sehr viel oder auch im Gebiet zwischen Tschechien und Serbien. Länder, die ein sehr gutes Terroir und Winzer mit erstklassiger Ausbildung haben. Ein großes Potenzial baut sich in diesen Gebieten gerade auf und ich bin überzeugt, dass dort grandiose Weine entstehen werden. Aus der Rebsorte Furmint etwa oder aus dem Kadarka, eine rote Rebsorte, die man zwischen Blaufränkisch und Pinot noir eingliedern kann. 

Mich begeistert die Individualität, die in diesen Gebieten herrscht. Viele Betriebe entdecken sich gerade neu. Und für alle Zugänge ist in diesen Weinbauregionen Platz. Ganz anders als in Österreich. Natürlich haben wir sehr spannende Betriebe, die großartige, authentische Weine hervorbringen. Durch die DAC-Labels und Prüfnummernverkostungen wird aber oft vorgegeben, wie Weine zu schmecken haben. Dadurch wird sehr viel uniformiert, sehr viel schmeckt ähnlich. Lassen wir doch mehr Eigenständigkeit zu.

*Aufgezeichnet von unserem Autor Werner Ringhofer